Gutachter entscheiden bei EXIST-Anträgen nicht nur über die Idee — sie entscheiden auch über das Team. Die Frage "Kann dieses Team dieses Vorhaben umsetzen?" ist mindestens so wichtig wie "Ist die Idee gut?" Und die Antwort hängt davon ab, wie du dein Team im Ideenpapier präsentierst.
Was suchen Gutachter im Team-Kapitel?
Gutachter suchen nach Komplementarität. Das bedeutet: Ein Team, das technische Exzellenz und unternehmerische Kompetenz verbindet. Beide Dimensionen sind notwendig — keine ist hinreichend allein.
Ein rein technisches Team (drei Entwickler ohne kaufmännische Erfahrung) wird mit der Frage konfrontiert: Wer kümmert sich um Vertrieb, Marketing, Finanzen, rechtliche Absicherung? Ein rein kaufmännisches Team ohne technische Kompetenz hat das spiegelbildliche Problem: Wer entwickelt das Produkt?
Ideal ist eine explizite Rollenverteilung, bei der die Qualifikationen der Teammitglieder zu den Anforderungen des Vorhabens passen. Das muss nicht perfekt sein — aber es muss sichtbar sein.
Wer kann im EXIST-Team sein?
Das EXIST-Stipendium fördert Teams von ein bis drei Personen (in begründeten Ausnahmefällen auch vier). Nicht alle Teammitglieder müssen die persönliche Förderberechtigung erfüllen (Studierende, Absolvent, Wissenschaftler) — aber mindestens eine Person muss es.
Weitere Teammitglieder können auch aus der Wirtschaft stammen oder keine akademische Ausbildung haben, wenn sie eine nachweislich relevante Kompetenz für das Vorhaben mitbringen. Ein erfahrener Vertriebsmanager als Mitgründer kann ein rein akademisches Team erheblich stärken.
Wie stellst du dich ideal auf?
Die beste Teamaufstellung für EXIST-Vorhaben folgt einem einfachen Schema:
- Person 1 (technische Lead): Tiefe Expertise in der Kerntechnologie des Vorhabens — idealerweise mit Nähe zur Hochschulforschung. Das kann ein Doktorand, Postdoc oder Absolvent mit Forschungserfahrung sein.
- Person 2 (kaufmännisch/strategische Lead): Verständnis für Märkte, Kunden, Geschäftsmodelle. Nicht zwingend ein BWLer — auch ein Ingenieur mit starkem Markt-Mindset oder Vertriebserfahrung kann diese Rolle füllen.
- Person 3 (optional, Spezialisierung): Ein dritter Mitgründer mit spezifischer Expertise (Regulatory Affairs für MedTech, Hardware-Engineering für IoT, etc.) kann das Bild abrunden — sollte aber nicht "nur Ausgewogenheit" erzeugen, sondern echten Mehrwert liefern.
Wie gehst du mit Kompetenzlücken um?
Fast jedes Gründerteam hat Lücken. Der Fehler ist nicht, Lücken zu haben — der Fehler ist, sie zu verschweigen. Gutachter, die eine Kompetenzlücke identifizieren, die das Team nicht selbst benennt, verlieren das Vertrauen in die Selbstreflexionsfähigkeit des Teams.
Die richtige Strategie: Benenne die Lücke explizit und erkläre, wie du sie schließt. Mögliche Antworten:
- "Wir haben keinen regulatorischen Experten im Team, werden aber den ausgewiesenen Berater XY (Beirat) regelmäßig hinzuziehen."
- "Im Rahmen des Stipendiums planen wir die Einstellung eines Werkstudenten mit Vertriebsbackground."
- "Das Coaching-Budget nutzen wir für externe Unterstützung im Bereich IP-Strategie."
Jede dieser Antworten ist besser als keine Antwort.
CVs: Was rein muss und was nicht
Gutachter lesen CVs nicht wie HR-Manager. Sie suchen Belege für Relevanz: Welche Erfahrung qualifiziert dich für genau dieses Vorhaben? Hebe hervor, was relevant ist. Reduziere, was irrelevant ist. Ein sechsseitiger Lebenslauf mit allen Nebenjobs seit der Schulzeit hilft niemandem.
Was rein muss: Bildungsweg, relevante Forschungserfahrung, relevante Berufserfahrung, einschlägige Projekterfahrung, Sprachen und Tools (soweit projektrelevant). Was wegkann: generische Soft-Skill-Listen, irrelevante Nebenjobs, zu viele Hobbies.
Teamdynamik: Was Gutachter nicht sehen, aber spüren
Ein letzter, oft unterschätzter Punkt: Gutachter lesen nicht nur, was du schreibst, sondern auch wie du es schreibst. Ein konsistentes, aufeinander abgestimmtes Ideenpapier signalisiert, dass das Team tatsächlich zusammenarbeitet. Wenn ein Team die Abschnitte getrennt schreibt und am Ende aneinanderklebt, merkt man das — oft im Ton, in Redundanzen und in fehlender Kohärenz.
Plant Schreibphasen als Team. Reviewt gegenseitig. Lasst das fertige Ideenpapier von jemand Außenstehendem lesen — idealerweise von jemandem mit Gutachterblick.